Biografie

Rupert Riedl wurde am 22. Februar 1925 in Wien geboren. Als Sohn des Bildhauers Josef Franz Riedl und Anna Riedl (geb. Bayer) wuchs er in Döbling auf. Er besuchte die Beethoven-Realschule und absolvierte die Kriegsmatura im Jahr 1943. Danach leistete er  Arbeitsdienst und wurde noch im selben Jahr zur Wehrmacht einberufen. Nach Verwundungen, Gefangenschaft und den Verlust einer Niere folgte die abenteuerliche Rückkehr 1945 nach Wien. Trotz dieser schwierigen Zeit legte er sich bereits für seine Zukunft einen Plan bereit, welcher biologische Expeditionen, wissenschaftliche Filme und Theoretische Biologie beinhaltete.

Auf Wunsch seines Vaters begann Rupert Riedl im Jahr 1945 ein Studium der Bildenden Künste. Es folgten Medizin und Anthropologie bis ihn sein Weg zur Zoologie führte, welche dann zur wissenschaftlichen Heimat für ihn wurde. Nach 12 Semestern, am 20. November 1951, promovierte er an der Universität Wien im Fach Zoologie (Nebenfach Anthropologie). Es folgten wissenschaftliche Aktivitäten im Rahmen abenteuerlicher Expeditionen und riskanter Tauchgänge. Er strebte danach, Meeresbiologie nicht nur im Labor, sondern in den Lebensräumen selbst zu betreiben.

Von 1948-1949 war er Leiter der ersten österreichischen Nachkriegsexpedition „Unterwasser-Expedition Austria“ mit Heinz Löffler in Sizilien und in der nordafrikanischen Inselwelt. In dieser Zeit absolvierte er auch  Studienaufenthalte an verschiedenen Meeresstationen im Mediterran und an der Nordsee. 1951 entsteht der Unterwasserfilm „Das Leben im Riff“.

1952 leitete er die „Österreichischen Tyrrhenia-Expedition“. Während der Expedition entstand der Film „Lichter unter Wasser“. Eine Einladung in die USA, Studien in Kalifornien, Florida und Puerto Rico folgten. Im folgenden Jahr wurde er als Wissenschaftlicher Assistent am 1. Zoologischen Institut der Universität Wien angestellt  und betreute den Aufbau österreichischer Meereskurse.

1956 wurde er Dozent für vergleichende Anatomie und Systematik. Im selben Jahr heiratete er seine “Smoky” (geb. Leopoldine Frühmann).

1960 Habilitation für „Zoologie, mit  besonderer Berücksichtigung der Morphologie und der Meeresbiologie“ und Professur am Zoologischen Institut der Universität Wien. Die Entwicklung von Vorlesungen gingen einher.

1963 kam ihr erstes Kind Barbara zur Welt, zwei Jahre später ihr zweites, Sabina. Im Jahr 1965 wurde ihm auch der Titel „Titular a.o. Professor“ verliehen. Er betrieb weitere Studien im Mediterran und im Roten Meer. Die Herausgabe des Bandes „Berichte der Österreichischen Tyrrhenia-Expedition“ und die Publikation  der Bücher „Biologie der Meereshöhlen“, sowie  „Fauna und Flora der Adria“ – später erweitert zu „Fauna und Flora des Mittelmeeres“ in zahlreichen Auflagen – folgten. Diese Arbeiten begründeten seinen Ruf als Meeresbiologe, der  1967 zu einer Berufung in die USA an die University of North Carolina in  Chapel Hill mit der Annahme des Rufes als Full Professor („Kenan professor of Zoology“) führte. Gleichzeitig wurde er als „Research Professor of Marine Sciences“ an die dortigen Meeresstationen bestellt. Er entwickelt größere, marinbiologische Forschungsprojekte , zu welchen auch  vier seiner früheren Schüler in die USA nachgeholt wurden, welche bereits zunehmend mit Überlegungen zur Evolutionstheorie einher gingen.

1971 erfolgte die Rückkehr nach Wien  als Vorstand des 1. Zoologischen Institutes und i.V. Vorstand des Institutes für Anthropologie für 5 Jahre ( beide an der Universität Wien ), die Einrichtung der Abteilungen für Meeresbiologie, Ultrastrukturforschung und für Theoretische Biologie, sowie die Ernennung zum „visiting professor der University of North Carolina“. Eintritt in den Wissenschaftsrat der Zoologischen Station in Neapel, als auch die Einrichtung der Zeitschrift „Marine Ecology“ folgten.

1983 wurde er zum Präsidenten des FORUM Österreichischer Wissenschaftler für Umweltschutz ernannt.

In den Jahren 1987-88 produzierte er für den ORF eine fünfteilige  Dokumentarfilm-Reihe unter dem Titel „Die Gärten des Poseidon –  Wie lebt und stirbt das Mittelmeer?“ die noch heute immer wieder zur Ausstrahlung kommt.

Er war auch Mitbegründer des Konrad-Lorenz-Instituts für Evolutions- und Kognitionsforschung am ehemaligen Wohnsitz von Konrad Lorenz in Altenberg im Jahre 1989  danach auch Vorstandsvorsitzender des Altenberger Instituts bis 1999. Ab diesem Jahr nahm er diese Funktion nur noch als Ehrenpräsident wahr. Weiters fungierte er als Herausgeber der Zeitschrift „Evolution and Cognition“.

Rupert Riedl gründete gleichzeitig analog zum Club of Rome den Club of Vienna, der sich mit interdisziplinären wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragen beschäftigt. Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 1995 hält er  noch Lehrveranstaltungen an der Universität ab. In seinen Vorlesungen war die Evolution ein wichtiges Thema. Dabei kritisierte er die Faktoren Darwins als unzureichend; die Mutation bezeichnete er als „blinden Konstrukteur“, die Selektion als „kurzsichtigen Opportunisten“. Er vermutete eine Art Vorselektion bereits im Bereich der Gene, die er auch in seinen Büchern publizierte.

Rupert Riedl verstarb am 18. September 2005 in Wien.